Dienstag, 22. März 2011

Teil 5 Eine unerwartete Wendung

wei Wochen waren vergangen. Zu Betti hatte ich keinen Kontakt, sie war noch unerreichbarer als sonst per Chat, Türkeiurlaub. Viel zu weit weg. Zumindest versuchte Elias sein Glück, mich wieder aufzubauen. Die Niederlage von Österreich hatte er eigentlich gut weggesteckt, außer ich zog mein Michael Ballacktrikot an. Dann konnte es schon zu provokanten Äußerungen kommen. Außerdem brachte das EM Endspiel späte Gerechtigkeit. 

Auch wenn es nur noch deutsche Zeitungen gab, verging doch nur selten der Spaß. Fürs Bier holen war ich mittlerweile zuständig. Fünf Etagen Kasten schleppen, nur um meinen Körper auf Vordermann zu halten. 

So, mal wieder einen Fitnesswürfel geschleppt. 

Und gibt’s Stiegl? 

Nein, nur Ur-Krostitzer. 

Hab ich noch nie gehört. 

Ich hab es auch extra bestellen lassen. 

Und hast du den Kasten schön die Treppe hochgeschleppt. 

Ja sicher, stehen lassen kann ich ihn ja nicht, hier wohnen ja Fußballer mit im Haus. 

Übrigens links rein 25 Meter gibt’s einen Lift. Aja und dein Gesicht müsstest jetzt sehen. 

Danke. 

Ja so sind sie, die Österreicher. Erbarmungslos und trotzdem mit viel zu viel Charme, so wie Betti. Ob sie noch etwas für mich empfand? Nach so langer Zeit sicherlich nicht. Oder doch? Immerhin hatte sie keinen Freund. Ein Zeichen? Gedanken, nichts als Überlegungen. Was dachte Bettina wohl. Ich wusste es nicht. Ich konnte es auch nicht wissen. Irgendwas liebe ich an dir, verdammt, warum bist du so weit weg? Alles könnte so einfach sein. Was macht sie wohl gerade, wie geht… 

Thomas? 

Ja, was hast? 

Telefon. 

Hat’s geklingelt? 

Oha, ich stand schon wieder neben mir, warum nur? OK, ich kannte die Antwort. 

Ja sicher, sonst würd ich dich nicht fragen. 

OK, wer ist dran. 

Unser Chef. 

Oha. 

Vielleicht bekommst du eine Moralpredigt. 

Köhler 

Ja endlich! 

Entschuldigen Sie. 

Macht nix, heute ist Ihr Glückstag. 

Das hab ich bisher noch nicht gemerkt. 

Dann kommen Sie bitte in mein Büro. 

Alles klar, bis in paar Minuten. 

Und, was wollte er? 

Er meint, heut wär mein Glückstag und ich soll mich auf den Weg zu seinem Büro machen. 

Vielleicht besucht dich ja meine Landsfrau. 

Ja das wär ein Traum, aber eher werde ich entlassen. 

Wirst eh fix nicht. 

Woher willst du das wissen? 

Weil es keine sportliche Grundlage dafür gäbe und der große Gehaltsposten bist wegen Dummheit ja auch nicht. Außerdem redet er immerhin von Glück. 

Danke. 

Für was? 

Fürs Mut machen. 

Immer wieder gerne. 

Gut 400 Meter bis zum Glücksort. Oder doch eher Pech? Immerhin konnte ich nun erstmal den neuen Fahrstuhl benutzen. Wodka wäre besser gewesen oder hätte zumindest meinen Mut vergrößert. Aber auch Bier ist flüssig. Man denk ich sinnlose Dinge, wenn ich aufgeregt bin. Lieber „Halt den FCL in Ehren“ summen. Hier weiß eh keiner, dass es ein Lied über einen anderen Verein ist. 

Fürs Meer war es auch ganz schön trüb, aber es war halt der Atlantik und nicht die Karibik. Aber meine Gedanken waren so grau wie das Wetter, von daher lag Petrus goldrichtig. Es war heute so still. Komisch, die Betriebsamkeit des Trainings fehlte und schon bekommt man das Gefühl, dass es sich hier um einen Regionalligisten anstatt eines eigentlichen Champions League Teilnehmers handelt. Wenn die UEFA mitspielte zumindest. Irgendwie waren doch alle Vereine der Welt gleich, aber auch nur irgendwie. 

Da war ich nun, die Geschäftsstelle. Noch nie hatte mich jemand hier her bestellt. Nicht in das übergroße Gebäude, aber in der Situation doch beeindruckend. Hinter der Türe befand sich doch ein sehr großes Foyer. Eine Dame am Schalter lächelte mich an. Doch ein Schild an der Wand brachte mich dazu, Sie zu ignorieren. 

Auf zum Chef hieß es also. Diesmal nahm ich doch die Treppe. Schritt um Schritt lief ich sozusagen in mein Schicksal. Dabei wird doch gerade das überbewertet. Oder etwa nicht? OK, lieber laufen und an nichts denken. Das ist gut gegen das Kribbeln im Bauch. Stockwerk Nummer 4 bedeutete zuerst einen langen Gang. Irgendwie erinnerte er mich an den Dresdener Fürstenzug. Denn an der Wand hingen alte Vereinspräsidenten. Ehrlicherweise musste ich mir eingestehen, dass ich keinen davon kannte. Egal, vorbei an der Geschichte, ich klopfte an der Tür zur Zukunft. 

Kein Ton war zu hören. Ich war doch angemeldet, oder? Warten? Nein, eintreten. Ich fasste mir ein Herz, ein kräftiger Ruck an der Tür, sie war auf. Ein großer Raum, bestimmt 150 m² Die Fensterfront war komplett Glas, das Zimmer an sich eher leer. Zwei große Regale standen links, voll gestopft mit Ordnern, aber doch fein säuberlich, sah nach perfekter Buchhaltung aus. Oder es wurde halt nicht gearbeitet und die Ordner standen zur Garnitur im Regal. Das soll ja vorkommen, nicht nur beim deutschen Staatsoberhaupt. Auf dem Schreibtisch lag nicht viel. Siza war ordentlich, auch wenn der massive Tisch doch einige Ordner hätte tragen können. Ein großer dunkler Ledersessel rundete das Bild vom Zimmer ab, Präsident Alvaro Siza saß dort und betrachtete mich. 

Morgen, ich hatte versucht zu klopfen. 

Das versuchen viele, aber kommen Sie bitte näher. 

Gut, was ist nun eigentlich der Grund ihrer Einladung. 

Kaffee? 

Ja gerne. 

Milch, Zucker? 

Nur Zucker, danke. 

Da liegt ein Bericht, schauen Sie sich den bitte an. 


Die erste Mannschaft. 

Genau. Ich wollte wissen, ob sie sich zutrauen, dieses Team zu trainieren. 

Ich soll was? 

Ja oder nein. 

Meine Hand zitterte. Ich sollte was? Warum? Wie sollte es…Was meint…Wie verhält…Was bedeutet…Wo ist…STOP! 

Ja klar. 

Hatte ich das gesagt? Ich sah von einer Ecke des Raumes aus zwei Personen. Einer legte ein Stück Papier zu dem anderem. Der war deutlich jünger und schrieb etwas auf das Stück Papier. Alles war so weit weg. Was war los? Verdammt, das war ich! Was tat ich? 

Auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit. 

Könnten wir raus gehen? 

Sie wirken geschockt. Na gut, wir gehen ans Fenster. Ich habe mir vorgestellt, dass Sie das Trainerteam von Grund auf neu besetzen, da Sie aber auf keinen Fall über so viele Kontakte verfügen können, schreiben Sie mir einfach offenbleibende Positionen auf. OK? 

Wie...Ja, geht in Ordnung. 

Schnaps? 

Vodka. 

Russland? 

Sowjetzone. 

Ach ja DDR, ich verstehe. 

Warum nehmen Sie mich? 

Sie tragen das Risiko. Sie können Trainer eines Champions League Teilnehmer sein. Aber kein Toptrainer geht das Risiko ein, dass der Verein noch in Liga 2 antritt. Außerdem brauchen wir neue Gesichter. 

OK. 

Über die Saisonziele reden wir nächste Woche, zuerst müssen der Fußballverband und die UEFA das Urteil über den Schiedsrichterskandal treffen. Bis dahin warten wir auch mit Ihrer Vorstellung. 

Lassen Sie mir 30 Minuten Zeit, danach reden wir über alles, ich will kurz erstmal alles verarbeiten. 

Nein, ich habe noch einen Termin. Aber in einer Stunde hätte ich wieder Zeit. 

Natürlich, geht in Ordnung. 

Bis gleich. 

Oh mein Gott, ich verlas das Zimmer, das Gebäude. Einfach ab zum Meer. Trainer vom FC Porto. Nein, das konnte einfach nicht sein. Ich bin doch eigentlich viel zu jung. Das Meer roch man von Weiten, Fisch, ich hasse Fisch. Immer mit der Ruhe. Das war eh nur ein Traum. Oder doch nicht. Träume handelten doch immer nur von Betti und von Ihr war nichts zu sehen, also doch die Wahrheit? Ich zog meine Schuhe aus, einfach am Strand entlanglaufen, ohne Ziel. Der Sand war warm, ungewöhnlich für das Wetter. Der Ozean zeigte sich auch von der ruhigen Seite. Aber es war angenehm, aber was für ein Tag. 

Trainer, vielleicht Champions League. Die Spieler werden nicht auf mich hören, ein klares Konzept ist auf alle Fälle Pflicht. Planung kann ich aber noch vergessen, Liga 1 oder Liga 2 ist die Frage, was sollen andere Überlegungen zurzeit. Kühle Brise, trübes Wetter und noch trübere Gedanken, oder etwas nicht. Es war doch abzusehen gewesen, mein Leben ist die Hölle. Eigentlich müsste ich doch glücklich ein, aber was erwartete ich schon, die nächste Katastrophe wartete bestimmt. 

My life is brilliant.
My love is pure.
I saw an angel.
Of that I'm sure.
She smiled at me on the subway.
She was with another man.
But I won't lose no sleep on that,
'Cause I've got a plan.
 

Ach, das gute Handy 

Ja. 

Hi mein Bester. 

Das sagte nur eine zu mir. Und das auch nur selten. 

Na wie geht’s dir in Porto. 

Hi Sophie, na grad eigentlich gut und wie geht’s meiner Lieblingsschwester? 

Du hast nur eine. 

Deswegen ja. 

Naja etwas angespannt alles hier. 

Oha klingt nicht gut. 

Du weißt ja eh wie es mit unseren Eltern immer so ist. 

Ach komm, wenn du Ferien hast musst du eh mal hier her ins warme Portugal kommen. 

Aja. 

Und nächste Woche gibt’s ne Überraschung. 

Lass hören. 

Was verstehst du eigentlich an nächster Woche nicht? 

Jetzt sag halt. 

Na, heut nich. Und wie geht’s deinem Freund. 

Andreas geht’s gut. 

OK beim letzten Mal hieß er noch Christopher. 

Das ist schon lange her. 

Ja, zwei Wochen um genau zu sein. 

Es lieben halt nicht alle so wie du. 

Das hatte gesessen. Ich kenne meine Fehler, aber abstellen war in diesem Fall irgendwie nicht möglich. 

Danke fürs Erinnern. 

Mach ich doch gerne. Naja ich muss jetzt, bye. 

Ja…aufgelegt. 

Wer kannte es nicht? Frauen. Einfach zu aufreizend zum Hassen. Auch wenn diese Geschöpfe nie mit Männern zusammenpassten, in meinem Fall zumindest. Dabei war ich doch gerade endlich mal bei einem Thema gewesen. Fußball und nicht bei…na auch egal, auf zurück zum Präsidenten. Aber was wollte ich eigentlich noch von Ihm. Das Thema war doch schon durch. 

Ein Telefonat später und ich machte mich auf de Weg zurück in die Wohnung. Was Elias wohl meinen würde. Trainer von Porto. Oh mein Gott! Was hatte Siza gesagt? Schande, dass kam alles vorhin zu unerwartet und ging so schnell. Da war noch was, zu dem Zeitpunkt fehlte mir allerdings noch der Vodka. Ach, ein Trainerteam brauchte ich. Da musste ich wohl mit Elias anfangen. Der würde eh aus allen Wolken fallen. 

So wieder da. 

Und was gab es? 

Erstmal brauch ich ein Bier. 



Alkohol ist keine Lösung 

Für mich schon. Ich werd neuer Trainer der ersten Mannschaft. 

Ja klar. 

Er lachte los, mir war eher Kotzübel als zum Lachen zu Mute. So langsam nervte er, aber konnte ich ihm das verübeln? Ich konnte es doch selber noch gar nicht glauben. 

Das ist ein Scherz? 

Ich habe freie Hand bei der Auswahl meiner Mitarbeiter. Deswegen wollte ich dich als Fitnesstrainer, aber das ist natürlich deine Entscheidung. 

Nun suchte sein Kiefer den Fußboden auf. Ja, so ging es mir vorhin auch, nur noch heftiger. 

Sag mir wenn du es schaffst, einen klaren Gedanken zu fassen. Und nein, meine Gedanken sind auch irgendwo im Nirgendwo. Aber die Überraschung scheint mir ja gelungen zu sein. 

Aber warum du? 

Weiß ich nicht. Warum leckt sich der Hund die Eier, weil er’s kann, was weiß ich. Mir geht’s auch ehrlich gesagt noch viel zu dreckig allein bei dem Gedanken daran, früher hatte ich mal die Hoffnung eine Kreisligisten zu trainieren. Alles schön ruhig und locker. 

Na das schaffst du schon mit Porto dahin. 

Er grinste. 

Wenn Blicke töten könnten, hätte ich jetzt Angst. 

Nein, ich vergreif mich nicht an Österreichern, außer sie krümmen…ach verdammt. 

Soll ich dir einen Tipp geben, vergiss Sie. 

Das sagst du so leicht. Aber wie? 

Na sonst hilft nur eins. 

Er ging zum Radio

OK, das hilft, wenn auch nur für den Moment. 

Gut, was brauchst du noch außer nen Fitnesstrainer? 

Einen Co. Aber da hab ich schon einen im Auge aber bei dem gibt’s ein Problem. 

Und das wäre? 

Er ist Fan von Dynamo Dresden. 

Ein böser Teufel sozusagen. 

Ja, ein Feind. Aber er ist ganz in Ordnung, besser als ein Schachtscheißer auf alle Fälle. 

Schachtscheißer? 

Auch Veilchen, Wismut oder Erzgebirge Aue genannt. 

Veilchen kann ich auch nicht leiden. 

Gibt es da nicht einen Verein in Wien. 

Kenn keinen. 

Alles klar. 

Jetzt lachten wir beide wieder. Na gut, Kai war auch in Ordnung, außer wenn er im Rudolf Harbig Stadion war. Typisch rechter Dynamohooligan halt. Aber er war zumindest einer der friedlichen Sorte. Er würde in Porto nicht jeden Müllcontainer anzünden. Oder etwa doch? Unser Kontakt erinnerte eher nicht an das legendäre Derby in Dresden von 2001, wo die Leipziger und Dresdener Anhänger ihre Teams mit großem Feuerwerk ehrten, oder so ähnlich. 

Aber so etwas gab es überall in der Welt und wenn unser FC gegen Boavista spielen sollte, konnte ich mich wahrscheinlich auf eine ähnliche Stimmung einstellen. Aber das war noch Zukunft, oder eigentlich auch nicht. 

Teil 4 A storm is coming

Nein, der Kater war außer Haus geblieben. Dafür musste ich die Nacht zuvor zu viel reden. Damit sollte mein erstes Training wirklich in normalen Zügen verlaufen. Irgendwie schien ich an der Reihe zu sein mit Frühstück machen. Zumindest war der Wiener noch nicht aus seinem Bett gefallen. Also war ich derjenige, der den Bäcker leer räumte, die 2000 Euro wollten ja auch vertan werden. Zudem wollte ich auch Zeitung lesen. Also auf zum Bäcker meines Vertrauens und versuchen auf Englisch in Portugal Frühstück zu bestellen, denn Landessprachen zu beherrschen wäre ja langweilig.

Nachdem feststand, dass ich mit Englisch nicht weiterkommen sollte, bediente ich mich der internationalen Zeichensprache, um allerdings danach festzustellen, dass die Kassiererin aus Deutschland ausgewandert war und somit prima eine Sprache, die ich hätte sprechen können, beherrschte. Aber mit Zeitung und Essen ging es doch wieder zurück, um den fälligen Kaffee zu kochen. Die Alpenrepublik war auch wach und stand schon bereit, um meine Kaffeebestellung aufzunehmen.

Eh, ich wollte Kaffee machen.

Na, den machst eh falsch. 

Hier hast du die Zeitung, kannst derweil lesen. Ich will dann aber wissen, was drin steht. 

Ein entgeisterter Blick folgte.

Bist deppert? Ich kann kein Portugiesisch, das solltest wissen. Wie kommt man drauf, so eine Zeitung zu kaufen? Das ist doch…

Ok, dann bekommst du halt die deutsche Zeitung.

Arsch. 

Ach, ich fand’s lustig und noch was: der Sachse kocht Kaffee. 

Na dann mach’s halt, aber wehe dir, er schmeckt nicht. Dann rückt unser Bundesheer ein! 

Also war ich in der Küche. German victory, yes! Aber es konnte nicht angehen, dass er alles alleine machte. Essen stand aber immerhin zum Großteil auf dem Tisch.

Scheiße! 

Eh, was is los? 

Hier, lies selber. 
Zitat:
Skandal in Porto geht weiter! 

Noch einmal Bewegung im Bestechungsskandal: Pinto da Costa muss gehen. Er ist für 2 Jahre für alle Vereinsposten gesperrt worden. Zudem überprüft die UEFA die Teilnahme Portos an der neuen Champions League Saison. Es soll neue brisante Fakten aufgetaucht sein, so kommt noch einmal alles ins Rollen. Zudem ist auch ein Zwangsabstieg - wie vor einem Jahr bei Boavista Porto – im Gespräch. Diese Saison begannen die Portugiesen schon mit 6 Punkten Abzug. Trainer und Vorstand des Vereins sind heute Nacht zurückgetreten. Warum es nochmal zu großen Ermittlungen gekommen ist, wurde noch nicht bekannt. Der FC Porto kommt einfach nicht zur Ruhe.



Shit, zum Glück ist mein erster Tag. 

Ja und der Mann, der dich unbedingt einstellen wollte, flüchtet jetzt wahrscheinlich mit einem Mini quer durch Europa, um sich dann in irgendeiner Höhle zu verstecken. 

Ein schwerer Schlag, Diskussionen über die Zukunft des Vereins und das kurz nach Ende der Saison. War man nicht sicher oben dabei? Warum mussten Leute den Sport immer in Verruf bringen? Geld, Macht und Ruhm waren das Gift im Sport oder wie das EPO im Radsport. Aber hatte es Porto nicht ohne die Megatransfers zum Erfolg gebracht, immerhin war man in der Champions League immer dabei und nicht unerfolgreich. José Mourinho war die Legende, die im heutigen Kapitalistengeschäft Fußball allen Milliardären ein Schnippchen geschlagen hatte. Warum wurden Vereine wie Lok Leipzig, Austria Salzburg und United of Manchester von Fans gegründet? Weil die Fans ehrliche Arbeit eher schätzen als den Kommerz. Aber der Tag brachte ja auch mein erstes Training und so ging es ohne Elias vor die Tür.


Gespenstische Ruhe auf dem Trainingsplatz. Die Journalisten schienen einen anderen Eingang zu belagern. Die Jugendspieler vom Vortag waren auch zahlreich wieder erschienen. Vielleicht konnten sie ja nur nicht lesen. Aber wie Portugal bei der Pisastudie abgeschnitten hatte, das wusste ich nicht. Unser Ex-Präsident hatte mir versichert, dass das Jugendinternat alle zu hervorragenden Englischkenntnissen gebracht hätte. Von links näherte sich irgendein Schlipsträger. Was wollte der? Schnell, fang deine Ansprache an, vielleicht will der wissen wie ich mich schlage, da soll er nicht alles mitbekommen.

Hi, ich bin Thomas. Ich werde euch in der nächsten Zeit trainieren. Gestern wart ihr sehr lauffaul. Dafür technisch schon sehr gut. Das heißt ihr habt viel Potential, aber auch noch Schwächen. Aber ihr seid Spieler beim besten Verein Portugals, einem Topclub in Europa. Mein Ziel ist es, dass so viele wie möglich von euch da drüben im Stadion Dragao spielen werden. Egal ob in der Meisterschaft oder im Pokal. Denn dazu seid ihr alle fähig und das muss auch euer Ziel sein. 

Naja nicht perfekt, aber es war ja auch noch meine erste Rede. Vielleicht fällt mir beim nächsten Mal doch was Besseres ein. Trotzdem fühlte ich mich beobachtet. Was mich störte, schienen nicht die Paparazzi am Zaun zu sein, auch wenn die Suche nach dem Präsidenten jetzt am Nachbartor angelangt war. Da war noch der Mann im Anzug. Ja, man hatte das Gefühl, er sei wichtig. Nicht dass das Präsidium mich nach zwei Tagen sofort wieder auf die Straßen stellt. Keine Gedanken daran verschwenden, Lauftraining, da kann man nicht viel falsch machen. Oder doch? Österreich wüsste Rat, ja, immer wieder Österreich. 

In dem Fall nicht die Schicksalsjahre einer Kaiserin, kein Goldtriumph bei Olympischen Winterspielen in der Abfahrt, auch keine überraschenden Siege in Cordoba, nein, einfach meine Versuchung, meine Leidenschaft, mein Traum. Manchmal wäre mir Rapid Wien lieber gewesen, aber das hätte mir ein Kinderbuchautor verboten und so stand ich hier in Porto.

Ihr lauft euch 5 Runden ein und macht euch danach warm. Gestern hat meine Wenigkeit euch schon zugeschaut. Mal sehen, ob die Eindrücke sich bestätigen. Technisch war das sehr fein, aber ich lege auch Wert auf Einsatz und Motivation im Training und im Spiel. Wir bilden dann zwei Teams, damit ihr zeigen könnt, was ihr drauf habt. Und heute mal kein Halbfeld. Ihr passt auch auf einem Viertel des Platzes zu. 

Fragende Blicke, ich liebte sie. Vor allem hatte ich mir bei der Trainingseinheit etwas dabei gedacht. Bei der Mannschaft schien das noch nicht so gut anzukommen, verständlich. Der junge Trainer, der noch nie ein Spiel von der Trainerbank aus betrachtet hatte und seine neuen und komischen Trainingsmethoden. Alles wie in München, nur dass Jürgen Klinsmann wahrscheinlich weniger Druck hatte. Weniger? Ja, denn mittlerweile war Maestro im Anzug auf mich zu gekommen und zwang mir ein Gespräch auf.

Herr Köhler. 

Angenehm. Entschuldigen Sie, ich bin noch nicht groß herumgekommen im Verein, mit wem habe ich die Ehre? 

Haben Sie heute Zeitung gelesen? 

Durchaus, aber ohne alles mitzubekommen wie es scheint. Worauf wollen Sie hinaus? 

Ich bin Alvaro Siza. Nachfolger von da Costa, also der neue Präsident vom FC Porto. 

Dann fühle ich mich geehrt, dass Sie am ersten Tag gleich die A-Jugend besuchen. 

Die Jugend stellt auch die Vereinszukunft dar. Außerdem ist es doch auch ihr erster Tag hier und das eigentlich sehr souverän.
.
Die Jungs sehen das bisher anders. Meine Methoden werden Sie aber alle noch kennen, vielleicht lieben, zum Teil auf alle Fälle hassen lernen. 

Was gedenken Sie mit dem kleinen Spielfeld zu bezwecken? 

Die Spieler sind technisch gut drauf. Ich will sehen, ob sie auch kreativ sind. Wenn man alle zwei Meter einen Gegenspieler hat, dann ist man gezwungen, immer wieder neue Dribblings oder unerwartete Pässe zu versuchen. 

Klingt schlüssig. Lernt man so etwas in Deutschland? Die Bundesliga spielt ja gerade nicht unbedingt einen spektakulären Fußball, wenn man den HSV oder Bayern München betrachtet. 

Aber es gibt auch Bremen, die stehen für mich für einen neuen Stil. Ehrlich gesagt habe ich die Idee vom FC Barcelona. In ihrer Nachwuchsabteilung sollen die das in einem großen Umfang machen. 

Ich hatte Bedenken, ob sie geeignet sind für den Posten. Aber Sie haben eine systematische Grundlage für das Training wie mir scheint. Außerdem suchen Sie gute Methoden und suchen Herausforderungen, das gefällt mir auch, selbst wenn ich nicht wie mein Vorgänger bin. Noch ein Wort zur aktuellen Lage. Der Skandal schadet dem Verein enorM. Wenn wir die Champions League gestrichen bekommen, dann haben wir das Problem, viel mehr auf unsere Jugend setzen zu müssen und sie somit noch viel intensiver zu fördern. Wir müssen sowieso mit neuen Gesichtern beginnen, die mit dem Bestechungsskandal definitiv nichts zu tun haben. 

Und das bedeutet? 

Neues Trainerteam, ein überarbeitetes Medienkonzept, keine unerklärlichen Geschäfte mehr. So eine Art gläserner Verein schwebt mir vor. Wir wollen wieder mehr Nähe zu den Fans. Aus den Stars müssen Helden zum Anfassen werden. 

Gelderveruntreuung kannte ich bisher nur von der Politik, dem VfB Leipzig und Dynamo Dresden. 

Sport ist Politik, wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Posten gekommen? 

Eine verlorene Wette. 

Costa, der ewige Zocker. 

Jetzt hat er auf jeden Fall einmal verloren. 

Der hat genügend Geld beiseite geschafft, glauben Sie mir das. Aber ich muss weiter, andere Vereinsgeschäfte warten ja auch noch. Nehmen Sie die Jungs hart ran. 

Zu hart ist auch nicht immer das Beste. 

Siza sah mich an. Seine Miene blieb ruhig. Er sagte nichts zu mir. Was wollte Mr. President? Zumindest brauchte ich nicht wieder einzupacken. Elias sollte mich für eine Weile nicht mehr los werden.

Aber weg von dem Unwichtigen, das Team war die Zukunft. Gleich zwei Teams à 9 Spieler traten an. Auf ging es, das erste Trainingsspiel in meiner Karriere als Trainer. Besonders die Enge machte den Jungs sehr schnell zu schaffen. Aber einige präsentierten sich unbeeindruckt und sehr stark. Monteiro, 16 Jahre und Stürmer. Der Junge hatte einen unglaublichen Torriecher. Er wäre auch für manch Nationalverteidiger unmöglich zu Verteidigen gewesen. In Tornähe den Ball zu ihm zu spielen, war ein sicheres Tor. Aber es war nur die Jugend, schon in der zweiten Mannschaft sähe das anders aus.

Monteiro war nur durch einen Spieler auf dem Platz etwas zu halten. Godinho - 17 Jahre jung, ein unglaublich robuster Verteidiger für einen Portugiesen. Für sein Alter stahlt er eine enorme Ruhe aus. Ein Spieler mit Zukunft? Leider zeigt er Schwächen im Kopfballspiel. Und da vor allem für Standards und Ecken große Spieler geeignet sind, war ich auch eher für große Verteidiger. Trotzdem, im Jugendbereich konnte er uns für die Spiele enorm weiterhelfen.

Von den Torhütern war Carreia der beste. Allerdings zeigte er das typische Ricardospiel. Portugiesen halt, was will man machen? Glanztaten auf der Linie, aber ein Ball aus mehr als 20 Metern war immer unhaltbar. Monteiro war für ihn auf alle Fälle zu stark. Die Schwachstelle der Jugendabteilung war einfach die Torwartposition.

Im Mittelfeld zeigte Nuno Costas gute Leistungen. Auch Portugiese, 17 Jahre jung. Oder alt? Egal, eine zu aufregende Spielweise konnte man ihm nicht vorwerfen. Das Aufbauspiel funktionierte sehr gut über ihn. Er passte einfach perfekt in das Team.

Aber ein Talent stand über diesen. Vruust von Leijhoof, ein Schweizer mit scheinbar starken holländischen Wurzeln. Ein bekanntes Talent aus Porto in Deutschland war ohne jede Frage Diego, der hier könnte sich zu einem gleichwertigen Spieler entwickeln. Technisch nicht immer sauber, aber mit körperlosem Spiel, Übersicht und viel Kreativität gesegnet. Der Junge hätte die Chance, uns zum Jugendtitel zu führen. Aber er würde nie den Titel holen, der Junge musste ins erste Team von Porto.

Fünf Jungs hatten auf jeden Fall stark auf sich aufmerksam gemacht, aber wie konnte man die am Besten fördern? Und wie hielt man den Kontakt zu den andern? Zumindest heute gar nicht, denn ich beendete das Training.

Das sah heute schon sehr gut aus, aber natürlich geht das noch um einiges besser. Aber ich kenne jetzt eure Fähigkeiten ein wenig. Wir werden sehen, wie wir die nächsten Wochen vorankommen, aber einige von euch haben auf alle Fälle das Zeug im Dragao zu spielen. 


Das Training zu beenden war ein Fehler. Wieso? Tja, kaum kam ich zurück, da brachte Österreich mir gleich den Motorsport näher. Nein, ich hatte kein Problem damit. Aber Porto war zum Zeitpunkt einfach interessanter. Kein Trainer mehr, eine neue Vereinsführung und die große Frage: Champions League oder Zwangsabstieg? Oder mit anderen Worten: portugiesische Kleinstadttour oder Camp Nuo, Old Trafford oder San Siro.

Aber die WTCC hatte natürlich auch ihre Reize. Nicht nur in der Startaufstellung. Auch wenn Elias begeistert von Marokko war und dem dortigen Rennen entgegenfieberte und Tickets bestellte. Das gleiche Motorsportfieber wollte mich nicht überkommen. Formel 1 und DTM waren langweilig, WRC und WTCC sah ich mir gerne an. Motorradrennen ebenso, schließlich gehörte der Sachsenring zum WM-Kalender.

Zum Missfallen von Elias führte ich die Motorsportdiskussion zum Rennabbruch schon nach wenigen Runden. Einfach raus, den Blick über Porto genießen, vor allem über nichts nachdenken. Einfach mal entspannen, Druck loswerden. Nicht die Leere einer Niederlage, sondern eine, die Mut und Kraft gibt. Nur ein paar Minuten…


Sonnenschein, warme Temperaturen und ein Hirn, das nicht abschalten wollte. Denk an nichts! Der Befehl an mich selbst ging gründlich schief. Mein Unterbewusstsein wollte etwas anderes. Wie immer: Betti. Ach, denk an was anderes. Politik? Heute nicht. Also Sport. Zufluchtsort aller trüben Gedanken. Fußball, EM-Start. Schweiz spielt, ich liebte das Alpenland außerhalb Europas. Was war noch? Ja, das Spiel um die Zimmerehre.Deutschland gegen Deutschland. Oder so ähnlich, da musste ich noch einmal nachlesen. Natürlich war ich für die Alpenländer, aber das durfte ich vor Elias und Betti nicht zugeben. Betti, was sie wohl gerade tat?

Aufhören! Du wolltest nicht denken. Nein auch kein Bier! Mein Verstand dominierte noch zu sehr. Dann halt keinen Gerstensaft. Lieber Eistee Zitrone, immerhin Lieblingsgetränk von…NEIN! Mach was anderes. Kein Denken, kein Überlegen, einfach zocken. Geh Fußball Manager spielen. Startländer alle, außer Österreich. MP3Player: Rock. Nein, nicht Kuschelrock.