Dienstag, 22. März 2011

Teil 4 A storm is coming

Nein, der Kater war außer Haus geblieben. Dafür musste ich die Nacht zuvor zu viel reden. Damit sollte mein erstes Training wirklich in normalen Zügen verlaufen. Irgendwie schien ich an der Reihe zu sein mit Frühstück machen. Zumindest war der Wiener noch nicht aus seinem Bett gefallen. Also war ich derjenige, der den Bäcker leer räumte, die 2000 Euro wollten ja auch vertan werden. Zudem wollte ich auch Zeitung lesen. Also auf zum Bäcker meines Vertrauens und versuchen auf Englisch in Portugal Frühstück zu bestellen, denn Landessprachen zu beherrschen wäre ja langweilig.

Nachdem feststand, dass ich mit Englisch nicht weiterkommen sollte, bediente ich mich der internationalen Zeichensprache, um allerdings danach festzustellen, dass die Kassiererin aus Deutschland ausgewandert war und somit prima eine Sprache, die ich hätte sprechen können, beherrschte. Aber mit Zeitung und Essen ging es doch wieder zurück, um den fälligen Kaffee zu kochen. Die Alpenrepublik war auch wach und stand schon bereit, um meine Kaffeebestellung aufzunehmen.

Eh, ich wollte Kaffee machen.

Na, den machst eh falsch. 

Hier hast du die Zeitung, kannst derweil lesen. Ich will dann aber wissen, was drin steht. 

Ein entgeisterter Blick folgte.

Bist deppert? Ich kann kein Portugiesisch, das solltest wissen. Wie kommt man drauf, so eine Zeitung zu kaufen? Das ist doch…

Ok, dann bekommst du halt die deutsche Zeitung.

Arsch. 

Ach, ich fand’s lustig und noch was: der Sachse kocht Kaffee. 

Na dann mach’s halt, aber wehe dir, er schmeckt nicht. Dann rückt unser Bundesheer ein! 

Also war ich in der Küche. German victory, yes! Aber es konnte nicht angehen, dass er alles alleine machte. Essen stand aber immerhin zum Großteil auf dem Tisch.

Scheiße! 

Eh, was is los? 

Hier, lies selber. 
Zitat:
Skandal in Porto geht weiter! 

Noch einmal Bewegung im Bestechungsskandal: Pinto da Costa muss gehen. Er ist für 2 Jahre für alle Vereinsposten gesperrt worden. Zudem überprüft die UEFA die Teilnahme Portos an der neuen Champions League Saison. Es soll neue brisante Fakten aufgetaucht sein, so kommt noch einmal alles ins Rollen. Zudem ist auch ein Zwangsabstieg - wie vor einem Jahr bei Boavista Porto – im Gespräch. Diese Saison begannen die Portugiesen schon mit 6 Punkten Abzug. Trainer und Vorstand des Vereins sind heute Nacht zurückgetreten. Warum es nochmal zu großen Ermittlungen gekommen ist, wurde noch nicht bekannt. Der FC Porto kommt einfach nicht zur Ruhe.



Shit, zum Glück ist mein erster Tag. 

Ja und der Mann, der dich unbedingt einstellen wollte, flüchtet jetzt wahrscheinlich mit einem Mini quer durch Europa, um sich dann in irgendeiner Höhle zu verstecken. 

Ein schwerer Schlag, Diskussionen über die Zukunft des Vereins und das kurz nach Ende der Saison. War man nicht sicher oben dabei? Warum mussten Leute den Sport immer in Verruf bringen? Geld, Macht und Ruhm waren das Gift im Sport oder wie das EPO im Radsport. Aber hatte es Porto nicht ohne die Megatransfers zum Erfolg gebracht, immerhin war man in der Champions League immer dabei und nicht unerfolgreich. José Mourinho war die Legende, die im heutigen Kapitalistengeschäft Fußball allen Milliardären ein Schnippchen geschlagen hatte. Warum wurden Vereine wie Lok Leipzig, Austria Salzburg und United of Manchester von Fans gegründet? Weil die Fans ehrliche Arbeit eher schätzen als den Kommerz. Aber der Tag brachte ja auch mein erstes Training und so ging es ohne Elias vor die Tür.


Gespenstische Ruhe auf dem Trainingsplatz. Die Journalisten schienen einen anderen Eingang zu belagern. Die Jugendspieler vom Vortag waren auch zahlreich wieder erschienen. Vielleicht konnten sie ja nur nicht lesen. Aber wie Portugal bei der Pisastudie abgeschnitten hatte, das wusste ich nicht. Unser Ex-Präsident hatte mir versichert, dass das Jugendinternat alle zu hervorragenden Englischkenntnissen gebracht hätte. Von links näherte sich irgendein Schlipsträger. Was wollte der? Schnell, fang deine Ansprache an, vielleicht will der wissen wie ich mich schlage, da soll er nicht alles mitbekommen.

Hi, ich bin Thomas. Ich werde euch in der nächsten Zeit trainieren. Gestern wart ihr sehr lauffaul. Dafür technisch schon sehr gut. Das heißt ihr habt viel Potential, aber auch noch Schwächen. Aber ihr seid Spieler beim besten Verein Portugals, einem Topclub in Europa. Mein Ziel ist es, dass so viele wie möglich von euch da drüben im Stadion Dragao spielen werden. Egal ob in der Meisterschaft oder im Pokal. Denn dazu seid ihr alle fähig und das muss auch euer Ziel sein. 

Naja nicht perfekt, aber es war ja auch noch meine erste Rede. Vielleicht fällt mir beim nächsten Mal doch was Besseres ein. Trotzdem fühlte ich mich beobachtet. Was mich störte, schienen nicht die Paparazzi am Zaun zu sein, auch wenn die Suche nach dem Präsidenten jetzt am Nachbartor angelangt war. Da war noch der Mann im Anzug. Ja, man hatte das Gefühl, er sei wichtig. Nicht dass das Präsidium mich nach zwei Tagen sofort wieder auf die Straßen stellt. Keine Gedanken daran verschwenden, Lauftraining, da kann man nicht viel falsch machen. Oder doch? Österreich wüsste Rat, ja, immer wieder Österreich. 

In dem Fall nicht die Schicksalsjahre einer Kaiserin, kein Goldtriumph bei Olympischen Winterspielen in der Abfahrt, auch keine überraschenden Siege in Cordoba, nein, einfach meine Versuchung, meine Leidenschaft, mein Traum. Manchmal wäre mir Rapid Wien lieber gewesen, aber das hätte mir ein Kinderbuchautor verboten und so stand ich hier in Porto.

Ihr lauft euch 5 Runden ein und macht euch danach warm. Gestern hat meine Wenigkeit euch schon zugeschaut. Mal sehen, ob die Eindrücke sich bestätigen. Technisch war das sehr fein, aber ich lege auch Wert auf Einsatz und Motivation im Training und im Spiel. Wir bilden dann zwei Teams, damit ihr zeigen könnt, was ihr drauf habt. Und heute mal kein Halbfeld. Ihr passt auch auf einem Viertel des Platzes zu. 

Fragende Blicke, ich liebte sie. Vor allem hatte ich mir bei der Trainingseinheit etwas dabei gedacht. Bei der Mannschaft schien das noch nicht so gut anzukommen, verständlich. Der junge Trainer, der noch nie ein Spiel von der Trainerbank aus betrachtet hatte und seine neuen und komischen Trainingsmethoden. Alles wie in München, nur dass Jürgen Klinsmann wahrscheinlich weniger Druck hatte. Weniger? Ja, denn mittlerweile war Maestro im Anzug auf mich zu gekommen und zwang mir ein Gespräch auf.

Herr Köhler. 

Angenehm. Entschuldigen Sie, ich bin noch nicht groß herumgekommen im Verein, mit wem habe ich die Ehre? 

Haben Sie heute Zeitung gelesen? 

Durchaus, aber ohne alles mitzubekommen wie es scheint. Worauf wollen Sie hinaus? 

Ich bin Alvaro Siza. Nachfolger von da Costa, also der neue Präsident vom FC Porto. 

Dann fühle ich mich geehrt, dass Sie am ersten Tag gleich die A-Jugend besuchen. 

Die Jugend stellt auch die Vereinszukunft dar. Außerdem ist es doch auch ihr erster Tag hier und das eigentlich sehr souverän.
.
Die Jungs sehen das bisher anders. Meine Methoden werden Sie aber alle noch kennen, vielleicht lieben, zum Teil auf alle Fälle hassen lernen. 

Was gedenken Sie mit dem kleinen Spielfeld zu bezwecken? 

Die Spieler sind technisch gut drauf. Ich will sehen, ob sie auch kreativ sind. Wenn man alle zwei Meter einen Gegenspieler hat, dann ist man gezwungen, immer wieder neue Dribblings oder unerwartete Pässe zu versuchen. 

Klingt schlüssig. Lernt man so etwas in Deutschland? Die Bundesliga spielt ja gerade nicht unbedingt einen spektakulären Fußball, wenn man den HSV oder Bayern München betrachtet. 

Aber es gibt auch Bremen, die stehen für mich für einen neuen Stil. Ehrlich gesagt habe ich die Idee vom FC Barcelona. In ihrer Nachwuchsabteilung sollen die das in einem großen Umfang machen. 

Ich hatte Bedenken, ob sie geeignet sind für den Posten. Aber Sie haben eine systematische Grundlage für das Training wie mir scheint. Außerdem suchen Sie gute Methoden und suchen Herausforderungen, das gefällt mir auch, selbst wenn ich nicht wie mein Vorgänger bin. Noch ein Wort zur aktuellen Lage. Der Skandal schadet dem Verein enorM. Wenn wir die Champions League gestrichen bekommen, dann haben wir das Problem, viel mehr auf unsere Jugend setzen zu müssen und sie somit noch viel intensiver zu fördern. Wir müssen sowieso mit neuen Gesichtern beginnen, die mit dem Bestechungsskandal definitiv nichts zu tun haben. 

Und das bedeutet? 

Neues Trainerteam, ein überarbeitetes Medienkonzept, keine unerklärlichen Geschäfte mehr. So eine Art gläserner Verein schwebt mir vor. Wir wollen wieder mehr Nähe zu den Fans. Aus den Stars müssen Helden zum Anfassen werden. 

Gelderveruntreuung kannte ich bisher nur von der Politik, dem VfB Leipzig und Dynamo Dresden. 

Sport ist Politik, wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Posten gekommen? 

Eine verlorene Wette. 

Costa, der ewige Zocker. 

Jetzt hat er auf jeden Fall einmal verloren. 

Der hat genügend Geld beiseite geschafft, glauben Sie mir das. Aber ich muss weiter, andere Vereinsgeschäfte warten ja auch noch. Nehmen Sie die Jungs hart ran. 

Zu hart ist auch nicht immer das Beste. 

Siza sah mich an. Seine Miene blieb ruhig. Er sagte nichts zu mir. Was wollte Mr. President? Zumindest brauchte ich nicht wieder einzupacken. Elias sollte mich für eine Weile nicht mehr los werden.

Aber weg von dem Unwichtigen, das Team war die Zukunft. Gleich zwei Teams à 9 Spieler traten an. Auf ging es, das erste Trainingsspiel in meiner Karriere als Trainer. Besonders die Enge machte den Jungs sehr schnell zu schaffen. Aber einige präsentierten sich unbeeindruckt und sehr stark. Monteiro, 16 Jahre und Stürmer. Der Junge hatte einen unglaublichen Torriecher. Er wäre auch für manch Nationalverteidiger unmöglich zu Verteidigen gewesen. In Tornähe den Ball zu ihm zu spielen, war ein sicheres Tor. Aber es war nur die Jugend, schon in der zweiten Mannschaft sähe das anders aus.

Monteiro war nur durch einen Spieler auf dem Platz etwas zu halten. Godinho - 17 Jahre jung, ein unglaublich robuster Verteidiger für einen Portugiesen. Für sein Alter stahlt er eine enorme Ruhe aus. Ein Spieler mit Zukunft? Leider zeigt er Schwächen im Kopfballspiel. Und da vor allem für Standards und Ecken große Spieler geeignet sind, war ich auch eher für große Verteidiger. Trotzdem, im Jugendbereich konnte er uns für die Spiele enorm weiterhelfen.

Von den Torhütern war Carreia der beste. Allerdings zeigte er das typische Ricardospiel. Portugiesen halt, was will man machen? Glanztaten auf der Linie, aber ein Ball aus mehr als 20 Metern war immer unhaltbar. Monteiro war für ihn auf alle Fälle zu stark. Die Schwachstelle der Jugendabteilung war einfach die Torwartposition.

Im Mittelfeld zeigte Nuno Costas gute Leistungen. Auch Portugiese, 17 Jahre jung. Oder alt? Egal, eine zu aufregende Spielweise konnte man ihm nicht vorwerfen. Das Aufbauspiel funktionierte sehr gut über ihn. Er passte einfach perfekt in das Team.

Aber ein Talent stand über diesen. Vruust von Leijhoof, ein Schweizer mit scheinbar starken holländischen Wurzeln. Ein bekanntes Talent aus Porto in Deutschland war ohne jede Frage Diego, der hier könnte sich zu einem gleichwertigen Spieler entwickeln. Technisch nicht immer sauber, aber mit körperlosem Spiel, Übersicht und viel Kreativität gesegnet. Der Junge hätte die Chance, uns zum Jugendtitel zu führen. Aber er würde nie den Titel holen, der Junge musste ins erste Team von Porto.

Fünf Jungs hatten auf jeden Fall stark auf sich aufmerksam gemacht, aber wie konnte man die am Besten fördern? Und wie hielt man den Kontakt zu den andern? Zumindest heute gar nicht, denn ich beendete das Training.

Das sah heute schon sehr gut aus, aber natürlich geht das noch um einiges besser. Aber ich kenne jetzt eure Fähigkeiten ein wenig. Wir werden sehen, wie wir die nächsten Wochen vorankommen, aber einige von euch haben auf alle Fälle das Zeug im Dragao zu spielen. 


Das Training zu beenden war ein Fehler. Wieso? Tja, kaum kam ich zurück, da brachte Österreich mir gleich den Motorsport näher. Nein, ich hatte kein Problem damit. Aber Porto war zum Zeitpunkt einfach interessanter. Kein Trainer mehr, eine neue Vereinsführung und die große Frage: Champions League oder Zwangsabstieg? Oder mit anderen Worten: portugiesische Kleinstadttour oder Camp Nuo, Old Trafford oder San Siro.

Aber die WTCC hatte natürlich auch ihre Reize. Nicht nur in der Startaufstellung. Auch wenn Elias begeistert von Marokko war und dem dortigen Rennen entgegenfieberte und Tickets bestellte. Das gleiche Motorsportfieber wollte mich nicht überkommen. Formel 1 und DTM waren langweilig, WRC und WTCC sah ich mir gerne an. Motorradrennen ebenso, schließlich gehörte der Sachsenring zum WM-Kalender.

Zum Missfallen von Elias führte ich die Motorsportdiskussion zum Rennabbruch schon nach wenigen Runden. Einfach raus, den Blick über Porto genießen, vor allem über nichts nachdenken. Einfach mal entspannen, Druck loswerden. Nicht die Leere einer Niederlage, sondern eine, die Mut und Kraft gibt. Nur ein paar Minuten…


Sonnenschein, warme Temperaturen und ein Hirn, das nicht abschalten wollte. Denk an nichts! Der Befehl an mich selbst ging gründlich schief. Mein Unterbewusstsein wollte etwas anderes. Wie immer: Betti. Ach, denk an was anderes. Politik? Heute nicht. Also Sport. Zufluchtsort aller trüben Gedanken. Fußball, EM-Start. Schweiz spielt, ich liebte das Alpenland außerhalb Europas. Was war noch? Ja, das Spiel um die Zimmerehre.Deutschland gegen Deutschland. Oder so ähnlich, da musste ich noch einmal nachlesen. Natürlich war ich für die Alpenländer, aber das durfte ich vor Elias und Betti nicht zugeben. Betti, was sie wohl gerade tat?

Aufhören! Du wolltest nicht denken. Nein auch kein Bier! Mein Verstand dominierte noch zu sehr. Dann halt keinen Gerstensaft. Lieber Eistee Zitrone, immerhin Lieblingsgetränk von…NEIN! Mach was anderes. Kein Denken, kein Überlegen, einfach zocken. Geh Fußball Manager spielen. Startländer alle, außer Österreich. MP3Player: Rock. Nein, nicht Kuschelrock.

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