Abflugort, die schönste Stadt der Welt, mit 3 wichtigen Stadien
Schon saß ich im Flugzeug. Flug nach Porto. Oder besser gesagt Landeanflug. 10.000 Euro hatte ich bekommen und wollte mir eine Wohnung suchen. Den Vertrag auf ein halbes Jahr hatte ich unterschrieben. Mit Option für den Verein bis Saisonende, wenn mein Arbeitszeugnis gut ausfallen sollte. Arbeitszeugnis? Ja, Bayern war überall, aber mein Ziel war, dass die Jugend mehr zum Zug kommen sollte, statt die Spieler einfach jeden Tag etwas besser zu machen.
Neue Stadt, neues Leben, neue Träume. Aber was ist Porto? Was macht die Metropole am Atlantik aus?
Zitat: Porto (port. Aussprache ['poɾtu]) ist die Hauptstadt des gleichnamigen Distriktes in Portugal und liegt am Douro vor dessen Mündung in den Atlantischen Ozean. Mit circa 327.500 Einwohnern ist sie nach Lissabon zweitgrößte Stadt des Landes. Der rund 1,26 Millionen Einwohner zählende Ballungsraum Grande Porto rangiert landesweit ebenfalls an zweiter Stelle. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Stadt auf Deutsch nicht selten Oporto genannt. Das Vorgestellte O ist der männliche bestimmte Artikel der portugiesischen Sprache. Oporto bedeutet also „Der Hafen“ Quelle: wikipedia |
Am Flughafen ausgestiegen, machte ich gleich meine erste Entdeckung. Ein Junge mit einer Statur, die meiner nicht wirklich fremd war, stand mit einem Schild mit meinem Namen da. Der Vereinsboss wollte wohl, dass ich meinen Arbeitsplatz vor dem Nachtleben kennenlernte.
Serwas.
Mein Gott, ein Österreicher. Da gab es dieses Mädchen, ihr Lächeln…
Oh, überrascht, deutsche Worte zu vernehmen?
Österreichische hatte ich nicht erwartet.
Hast ein Problem mit Österreich?
Nein, nein.
Ja, ein sehr großes und es ist weiblich.
Bist du Spieler bei Porto?
Nein, ich betreue nur die B-Jugend.
Oha, da setzen sie bei Porto aber auf junge Leute im Trainerstab.
Na ich bin nur für das Lauftraining zuständig. Die Spieler könnten seit meinem Training alle am Wiener Marathon teilnehmen. Und wie bist du zu deinem Job gekommen?
Ich habe eine Wette verloren.
Er grinste. Warum waren mir fast alle Österreicher Sympathisch, also eigentlich alle außer sie heißen Christoph?
Aber jetzt schmeiß dein Gepäck ins Taxi, du sollst von mir eine Einführung erhalten.
Dem Verein muss es gut gehen, wenn er uns auch noch ein Taxi spendiert.
Ja und danach noch ne Wohnung, aber du wirst schon sehen.
Da hab ich aber Glück.
An deiner Stelle würd ich warten, bis du die Wohnung gesehen hast. Ach ja noch ne Frage. Austria oder Rapid?
Achtung, die Frage des Tages. Freundschaftschance 50%, bis zur Antwort. Aber für mich war die Antwort klar.
Also ich bin für Rapid, warum erzähl ich dir später mal…
Dann bist du OK. Ich habe etwas gegen Austrianer, auf die Begründung bin ich aber gespannt. Du wirst übrigens gleich dein neues Team betrachten dürfen. Einige Talente sind echt der Hammer. Die sollten zu Rapid wechseln und Red Bull wäre auf Dauer nur Nummer 2 in Österreich. Übrigens, irgendwas bei Porto ist zurzeit im Busch. Alle Vereinsoberen wirken aus irgendeinem Grund sehr angespannt.
Oha, also ein schlechter Tag für einen Neuanfang. Wie bist du eigentlich hier gelandet?
Ich war eine Zeit lang in Marokko, wie die Meisten bin ich mit dem Boot angekommen.
Er lachte, als er mein Gesicht sah.
Eigentlich kein Thema für einen Witz. Stimmt auch nicht, aber das erzähl ich dir, wenn ich weiß, warum du für Rapid bist.
Jetzt lachten wir beide.
Es war nicht ganz wie in Monaco, aber die Häuserschluchten waren schon etwas Anderes als in Großrückerswalde oder Marienberg. Außerdem war es deutlich wärmer als im Erzgebirge. Aber anstatt mit einem kühlen Blonden am Strand zu sitzen, war ich auf dem Weg zum Fußballplatz.
Wer weiß, wann hier mal ein Drache war...
Stadiao Dragao. Das Drachenstadion, nicht nur Pilgerort für Griechen, sondern auch meine neue berufliche Heimat. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass für mich das Leben hier mehr unter König Ottos Stern als unter dem von Rudi Völler steht. Aber stolz, bei so einem großen Verein wie dem hier zu arbeiten, war ich schon. Sogar der MDR widmete mir einen kurzen Beitrag. OK, das tat er auch wenn eine Entenfamilie durch Chemnitz lief. Ein Sachse im Ausland, besser als Entenjagd im Gelertstadion. Dabei war mein Ziel vorerst nur, den Job länger als 5 Wochen zu machen. Mein Dienst begann ja auch kurz vor dem Urlaub der meisten Spieler und so konnte ich mein Ziel kaum verfehlen.
Elias schleppte mich zum Training der A-Jugend. Ab morgen sollte ich die Jungs trainieren. Oha, Aufregung ich spüre dich.
Warum ist der Posten eigentlich frei?
Dein Vorgänger ist in seinem Amt gestorben, das Jugendteam wurde von dem Stab der B-Jugend betreut. Deswegen wird die Tabelle dir auch einen traurigen 7. Platz verraten, die spezielle Betreuung hat einfach gefehlt.
Das klingt nicht gut, aber erzähl mir mehr von den Jungs. Du kennst sie ja dann.
Vielleicht später, erstmal solltest du dir ein Bild vom Team machen. Außerdem wirst du mehr Zeit mit dem Österreicher verbringen, als du denkst.
Dann verschweigst du mir noch Dinge?
Jep.
Die Jugend spielte gegeneinander. Großfeld. Eins fiel sofort auf. Technisch waren die Spieler sehr gut, aber es fehlte etwas. Viele Ballkontakte, Raumgewinn und ein schneller und guter Abschluss waren da. Aber noch nicht perfekt. Irgendwie fehlte die Leidenschaft, die Spieler traten nach dem Ball, ohne Ball keine Bewegung. Der große Schlüssel zum Sieg beim Fußball. Die läuferische Einstellung. Aber auch andere Tugenden fehlten. Kein Spieler brauchte sein Trikot oder seine Hose waschen. Körperloses Spiel. Aber da musste man mehr Einsatz zeigen. Das wollen nicht nur Zuschauer sehen, sondern bringt auch Aufmerksamkeit bei Medien. Maik Franz kennt auch jeder.
Hast du genug gesehen? Ich soll dir noch deine Wohnung zeigen. Außerdem soll ich dir noch beim Möblieren helfen.
Du kennst die Wohnung?
Durchaus.
Er grinste schon wieder. Jetzt kamen mir erste Ahnungen.
Siehst du den Block da drüben. Dort wohnst du, solange du es dort aushältst. Der halbe Verein wohnt dort.
Du auch?
Ja sicher. Sonst würde dir jemand anderes den Weg zeigen.
Da bin ich froh, dass du das machst.
Sein Blick sagte mehr als 1000 Worte.
Schwul, schwul, schwul…
Die 200 Meter legten wir diesmal sogar ohne Taxi zurück.
Du hast Glück. 4. Etage, es hätte auch gut die 10. sein können.
Dann lass uns das Glücksschwein schlachten, bevor es weg ist.
Hier ist dein Schlüssel. Übrigens wohnst du nicht alleine.
Ich öffnete die Tür, sah das Zimmer und verstand.

Auf gutes Zusammenwohnen.
Ich bin mir sicher, die wird gut.
Bett ist da, übrigens kein Doppelbett auch wenn die Portugiesinnen verdammt geil sind. Bier steht im Kühlschrank, Kleiderschrank ist da, die Hälfte der Räume ist deine, also halt Ordnung.
OK.
Diesmal grinste ich. Und bevor ich das Gelände weiter besichtigte, musste erst mal eine gelbe Verführung her.
Ich dachte du hast Bier da!
Ist doch.
Stiegl und ich hatte an richtiges Bier gedacht.
Hast du mal portugiesisches Bier probiert?
Nein.
Dann solltest du das Stiegl in Ruhe genießen.
Ich werde mal für sächsische Importe ab Morgen sorgen.
So sind sie, die Piefken.
Was heißt Piefke eigentlich?
Elias blickte mich entgeistert an.
Das ist ein Schimpfwort für Deutsche.
OK, gut zu wissen.
Hast du heute noch was vor?
Ja, auspacken. Und einen Gegenpol zu Rapid schaffen.
Und der wäre?
Lok Leipzig.
Damit kann ich leben.
Damit musst du leben.
Es schien wirklich ein gutes Zusammenwohnen zu werden. Zumindest hatten wir Spaß und das hatte viel für sich. Nachdem ich ausgepackt hatte, saßen wir auf der Dachterrasse, die größer als die Räume war. Elias konnte mir viel von Österreich erzählen, während ich mein Wissen über die Alpenrepublik noch verschwieg. Dafür gab’s für ihn Ostdeutschlandgeschichten en masse, bis es Zeit wurde, den Tag zu beenden. Die erste Nacht in Porto…und wieder allein.
Ihre Haare flatterten im Fahrtwind. Sie fuhr auf mich zu, zwei, drei Schwünge und dann hielt das Mädchen.
Hi Thomas!
Jetzt war die Kleine direkt vor mir.
Hi, Ich hab dich vermisst.
Sie umarmte mich. Ihr Duft, lass sie nicht los, doch man(n) musste ja.
Es ist viel passiert.
Ja leider, tut mir Leid, wie alles gelaufen ist, aber lass uns das vergessen.
Es gibt ja eh auch wichtigeres im Leben.
Wir waren uns so nah.
Du bist mein Engel.
Nein, ich bin keiner. Wenn du wüsstest, wie ich sonst so bin, würdest du das nicht sagen.
Mein Herz raste. Wir schauten uns in die Augen. Herzschlag um Herzschlag. Wir kamen uns immer näher. Ihre Blicke, ihre Ausstrahlung, ihre… ich konnte nichts Gescheites mehr denken. Vorfreude und Erregung. Ich spürte ihren Atem. Einfach Augen zu und…
Augen auf. Ich lag in meinem Bett. Scheiße, jedes Mal der gleiche Traum. Immer die Enttäuschung. Die Spannung fiel von mir ab, sie wurde zu Frust. Eigentlich musste ich jetzt eine teuere Vase durch die Gegend werfen, aber Elias’ Sachen waren ja nicht meine und bei zwei Männern gab es von Natur aus weniger Blumen in der Bude. Da half nur eins. Wodka. Das russische Nationalgetränk war immer ein treuer Freund. Alkohol ist keine Lösung, aber für den Moment hilft er.

Porto bei Nacht
Gut gekühlt aus dem Keller. Großer Schluck. Mich schüttelte es, mir wurde wieder wärmer. Vor mir das relativ dunkle Porto, ein Wohnort von wahrscheinlich Millionen Traumfrauen. Und ich stand am Balkon und spielte Boris Jelzin. Neues Leben, alter Frust.
Licht ging an in unserem sweet Home.
Deutschland ist ja auch noch wach.
Und du ebenfalls.
Ja, aber i sauf net allan.
Kannst gern mittrinken. Ist ein guter Moment dafür.
Was is denn los?
Ich hab eine Landsfrau von dir kennen gelernt, wir sind ein paar Fahrten miteinander Ski gefahren, sonst ist aber nichts zwischen uns passiert, außer das ich mich in sie verliebt habe.
Ja, Österreich hat schöne Mädchen.
Das Problem. Nachdem meine Wenigkeit wieder in Deutschland war, hab ich ihr eine SMS geschickt, ganz allgemein gehalten. Sie hat mich gefragt ob ich nen Stand auf sie hab. Das hatte ich, dachte aber, dass ich es Betti, so heißt sie, nicht antun kann. Sie hat mir geschrieben, dass sie mir ein guter Freund sein würde, und wenn ich eine Beziehung haben wöllte, könnten wir unsere Bekanntschaft ja vertiefen.
Klingt nicht übel.
Zwei Tage später hatte ich ihr meine Liebe gestanden. Es war so unglaublich schön. Noch nie hatte ich mich so gut gefühlt. Viel hat sie über sich erzählt, kaum war sie aus dem Chat, fühlte ich mich einsam. Das ging aber nur zwei Wochen so. Dann holte uns die Wirklichkeit ein. Wir wohnten zu weit auseinander. Sie wollte mich aber irgendwie nicht wieder sehen, aber das kam mir zu dem Zeitpunkt nicht so vor. Nach der Zeit hat sie mir aber gesagt, dass sie einen Freund hat.
Und seitdem ist nix mehr passiert?
Nein, sie hat sich wegen mir von ihm getrennt. Aber Christoph spielte danach auch noch eine Rolle, aber nicht ewig. Aber wir haben uns seit Februar nicht gesehen. Nicht mal per Webcam oder so. Mal ist sie so süß wie du es dir nicht vorstellen kannst, mal aber ist sie abweisend und böse verletzend. Einmal war ich in Österreich, aber als ich dort war, hat sie gesagt, sie hätte keine Zeit. Und so haben wir uns auch nie gesehen. Das Problem sind 700 Kilometer. Kein Mensch kann über so eine Entfernung lieben, außer ich scheinbar. Betti hat mir mein Herz gestohlen und ich hoffe, dass sie es behält.
Warum Porto und nicht Österreich?
Den Vertrag hatte ich unterschrieben weggeschickt und danach die SMS an Betti gesendet. Ich wusste nichts von ihren Gefühlen und bevor du es sagst, ja, ich weiß auch jetzt nichts von ihren.
Aber es ist ein Problem, ich würde für sie sterben. Auch wenn ich nichts über sie weiß. Sie ist entweder die Krönung meines Lebens, oder mein Untergang.
OK, ich geh davon aus, du hast genug Wodka getrunken, pflanz dich ins Bett sonst sorg ich dafür. Morgen hast du dein erstes Training, das säh beschissen aus, wenn du dort mit Fahne ankommst. Nur die von Portugal würde vielleicht toleriert werden.
Er räumte die gut geleerte Flasche weg. Mein Körper schleppte sich ins Bett und irgendwie schlief ich auch ein.



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