Donnerstag, 10. März 2011

Teil 2 Ja I will Schifoan

Immer noch perfekte Bedingungen für einen perfekten Skitag

15.02., ein Tag später. Wieder klangen die Glocken an mein Ohr und sorgten zusätzlich für Motivation. Verdammt, es war schon der letzte Tag. Wie konnte es angehen, dass 8 Skitage schon wieder um waren? Blieben ein letztes Mal die Frühstücksrituale, die Abfahrt am Morgen und schöne Klänge aus dem Fernsehen. Aber es war doch etwas anders. Ich rasierte mich am Morgen. Ja klar, eigentlich nichts besonderes, doch der Vortag sorgte für den Grund. 

Nein, das Mädchen ging mir irgendwie nicht aus dem Kopf. Lag es an meiner Liebe zu Österreich? Viel zu oft hatte ich meine Urlaube dort verbracht. Der Wörthersee, Großglockner, Fieberbrunn und Innsbruck. Sehr oft war ich schon in der Alpenrepublik gewesen. Der Dialekt faszinierte mich, wie auch der Schweizer oder der Plattdeutsche. Als Saggse machsd hald alles midd. 

An ihrer Sprache konnte es liegen, aber irgendwie ging sie so locker und unbeschwert mit mir um, dass hatte kein anderes Mädchen in der letzten Zeit geschafft. Ausgerechnet aus Wien oder so. Dahin hatte es mich noch nie Verschlagen und was wusste ich über Österreich? Dass Red Bull sich im Fußball die Spielwiese ausgerollt hat um den zwei Wiener Vereinen Konkurrenz zu machen? Dass beim Skispringen Thomas Morgenstern grad allen davon sprang und ich seit seinem Sturz in Kuusamo und dem Comeback ein Fan von ihm war und es klasse fand, dass er seine Karriere krönte. Ansonsten fuhren die Leute den Deutschen beim Skifahren um die Ohren und sprachen vor Duellen im Fußball gegen uns von Cordoba, wechselten das Thema aber nach Spielen. Aber sonst?

Frisch rasiert und mit frischen Eroberungswillen machte ich mich auf, das letzte Geld auf den Kopf zu hauen und den letzten Skitag zu etwas Unvergesslichem zu machen. Eigentlich tragisch, dass ich dieses Mädchen erst kurz vor Finito getroffen hatte. Dann war die Kleine nicht mal beim K1, dem Ort für Après Ski am Kronplatz. Einfach scheiße gelaufen war der Tag. Aber was soll man machen? Ein sächsischer Dickschädel gibt nicht auf, zumindest nicht so schnell.

Irgendetwas war anders als in den letzten Tagen. Ich suchte nach ihr. Die ganze erste Fahrt über. Keine Spur von der Österreicherin. Warum war mir ausgerechnet heute alles andere egal? Skifahren war meine Leidenschaft, aber irgendwas war anders geworden. Vielleicht weil...nein, das konnte nicht sein. Nicht in so kurzer Zeit. Aber aus einem Grund fehlte mir der Spaß am Skifahren und das leider am letzten Tag.

Auch die Liftfahrt war anders als am Vortag. Verdammt, wo war sie nur? Irgendwo hier wollte sie sein. Wenn ich sie nicht sehe, warte ich oben? Oder unten? Diesmal war die Liftfahrt definitiv zu lang. Endlich der Ausstieg und da war sie! 20 Meter unterhalb des Liftes. Gewonnen.

Denn der kleine Rückstand ließ sich sehr schnell aufholen, zufällig stand sie auch gerade und war in ein Gespräch vertieft. Sie hatte den gleichen Skianzug wie am Vortag an. Michi stand bei ihr, sonst waren sie wieder allein.

Hallo!

Oh, hi, Thomas. 

Da ist er wieder.

Klar, das ist schließlich meine Lieblingspiste.

Meine auch.

Is ja süß.

Aber diesmal holst mich nie ein.

Sie fuhr los, auch Michi machte sich auf den Weg, doch das Wort „nie“ steht manchmal nur für Sekunden. Und so wie niemand die Absicht hatte, in Berlin eine Mauer zu errichten, hatte Betti recht. Der Erste, der anhielt, war ich. Komischerweise sollte ich für den Rest der Zeit immer hinter ihr herfahren, immer in der Hoffnung dass sie im Schnee liegen blieb und ich sie von Schneelawinen oder ähnlichem Befreien könnte. Aber darauf wartete ich den ganzen Tag vergebens. Zumindest konnte ich mich auf die Liftfahrten freuen, denn es gab doch interessante Gespräche.

Gestern hast uns noch blöd angemacht und heut willst unbedingt mit uns Skifahrn

Ja, soll vorkommen. Gestern kannt ich euch ja auch noch nicht. Mit euch ists irgendwie lustig. 

Mit dir ists auch ganz nett.

Oh danke, ich fühl mich geschmeichelt, wenn das Österreicher sagen. 

Das darfst du auch. Wo hast eigentlich so gut Skifahren gelernt?

Hier. Aber ich habs mir mehr der weniger selbst beigebracht. Irgendwann bin ich auf den Dreh gekommen, wie man sehr sauber Ski fährt. Ich biet mich auch als Skilehrer an.

Und hast du eine Freundin?

Nein zur Zeit nicht, ich bin seit einem Monat wieder solo. 

Warum hast dich von ihr getrennt?

Naja das ist meine Sache, ich will nicht drüber reden.

Und dann kam wieder eine Pause. Denn es winkte die nächste Abfahrt und es blieb mir keine Zeit zum Nachdenken. So bemerkte ich nicht, dass ich den Fehler meines Lebens machte. Jetzt war Skifahren Druck, denn ich wollte mich nicht durch einen Sturz oder einen ungewollten Ausheber blamieren, trotzdem schien ich keinen Eindruck auf sie zu machen. Aber es gibt Dinge beim Skifahren, die eindeutig sind. Denn Betti und Michi standen, aber ich war noch nicht da. Anstatt anzuhalten, holte ich Schwung und ließ eine Wolke feinsten Kunstschnee auf eine der Beiden los. Natürlich nicht auf Michi, die im übrigen Michelle hieß. 
Betti freute sich sehr, irgendeinen netten Spruch rief sie mir hinterher, zum Glück verstand ich nicht alles, was sie sagte. Der österreichische Dialekt hat auch seine Vorteile. Aber dann kam endlich wieder eine Liftfahrt.

Hey Thomas, was machst eigentlich dann als Fußballtrainer? Bist dann der Trainer von Deutschland?

Ich wär froh, wenn ich überhaupt jemanden trainieren dürfte.

Schade, also ich mag das deutsche Team.

Das sagt sie nur so, damit du weiter mit ihr redest.

Oh, das würd ich eh auch so. Aber Stolz auf Deutschland bin ich nicht wirklich.

Warum?

Ist ein scheiß Thema.

Also wir sind stolz auf Österreich. 

Und meine Wenigkeit wäre tausend Mal lieber Österreicher als deutscher.

Wärst eh nicht.

Ich war erst einmal beim Fußball für Deutschland und das war vor zwei Jahren. Aber Klinsmann ist jetzt weg. Selbst zur EM wär mir Österreich lieber als mein eigenes Land. Aber es gibt wichtigeres als Fußball.

Wenn du dort einen Job hast, dann nicht. Außerdem ist viel Geld auch nicht verkehrt.

Geld interessiert mich nicht wirklich. Mir reicht ne Wohnung, bissl was ich zum Leben brauch, solang ich glücklich bin.

Oha wir müssen gleich weiterfahren. Du Michelle?

Ja.

Ich werd aufhören Ski zu fahren.

Ok, fahren wir noch hoch und dann ohne die schwarze Piste gleich per Lift nach unten. 

Ja, so wollt ich es machen, aber vielleicht noch eine letzte Fahrt?

Naja keine Ahnung.

Sie schaute mich an. Wow, dieser Blick. Sie machte ihren Mund auf, Aber anstatt mir etwas zu sagen, lächelte sie nur. Komisch, irgendwie fesselte mich ihr Anblick. Dieser…was auch immer, ich hab keine Ahnung. Wie soll man das in Worte fassen? Ich wollte etwas sagen, doch ich konnte nicht, ich glaube ich lächelte zurück, aber tat ich das? Niemand sagte etwas, warum musste Michelle zwischen uns sitzen? Warum war das ihre letzte Fahrt?

Ausstieg.

Sie drehte sich weg und machte sich fertig. Ich konnte es nicht fassen. Niemals war ich so traurig, den Lift zu verlassen. Aber irgendwas war noch. Michelle war schon weg. Aber Betti noch nicht.

Hey, bevor wir uns nie wieder sehen, kann ich noch deine Handynummer bekommen?

Ja klar. 

Wart, aber ich kann mir keine Nummer merken.

Ja ok, wart gib her, ich speicher dir sie gleich ein. 

Is ja Service. 

Kannst mal sehen.

Naja willst wirklich schon weg? 

Ja.

Naja dann machs gut, auf das Deutschland bei der EM gegen Österreich gewinnt. 

Wir werden sehen, tschüss.

Sie fuhr los, ich fuhr los. Ich traute mich nicht, mich noch einmal umzudrehen und zurück zu ihr zu schauen. Weg war sie, mein Leben war wie vorher, nur dass ich eine Handynummer mehr als Kontakt hatte. 
Wenn man mit einer großen Gruppe unterwegs ist, hat man den Vorteil, überall wieder auf versprengte zu treffen und mit ihnen zu reden. Damit war ich für die restlichen Fahrten zumindest in Begleitung. Außerdem fiel diesmal die Suche weg, denn die beiden hübschen Österreicherinnen waren ja schon in Reischach und somit nicht mehr im Skigebiet und außerhalb jeder Reichweite für mich. 

Aber es hatte sich etwas verändert. Die erste Fahrt am Vortag war genial. Mittlerweile konnte ich die Fahrten nicht mehr so genießen. Nun blieb nur noch Weißwurst fressen, Bier trinken und Bier trinken. Am letzten Tag, da muss das gewechselte Geld alle werden und bei Preisen um die 4 Euro für den halben Liter Bier stellte das überhaupt kein Problem dar. Aber was gibt es schöneres als ein kühles blondes an einem der schönsten Orte der Welt?
Ein Bier in Ehren...

Nichts und auch der Après-Ski war feuchtfröhlich, auch wenn sich keine der doch zahlreichen Damen sich breit erklärte, mir meine Einsamkeit zu vertreiben. Die Zeit verging, das Glas wurde leer. Dann kam statt einem Partylied mal was anderes.

Closed off from love 
I didn't need the pain 
Once or twice was enough 
And it was all in vain 
Time starts to pass 
Before you know it you're frozen
But something happened 
For the very first time with you 
My heart melts into the ground 
Found something true 
And everyone's looking round 
Thinking I'm going crazy
But I don't care what they say 
I'm in love with you 
They try to pull me away 
But they don't know the truth 
My heart's crippled by the vein 
That I keep on closing 
You cut me open and I
Keep bleeding 
Keep, keep bleeding love 
I keep bleeding 
I keep, keep bleeding love 
Keep bleeding 
Keep, keep bleeding love 


Es war etwas besonderes, das erste Mal mit dir? Ich sah Betti vor mir. Ich war wieder mit ihr im Lift. Sie lächelte so unglaublich süß. Verdammt, war ich einIdiot. Hätt ich ihr nichts Nettes sagen können? Nicht mal geflirtet hatte ich. Nun war es zu spät, aber ich begriff, verdammt, ich hatte mich verliebt.

Ich wählte ihre Nummer. Kein Rufton. Nein, sie hatte mir schon ihre richtige Nummer gegeben und ich sollte noch feststellen, dass es auch ihre war. Doch +43 ist die Vorwahl für Österreich und sowas sollte man vorher wissen. Aber wenn man nach ungezählten Gläsern Bier in Südtirol sitzt ist das mit dem denken so eine Sache. Außerdem drehten sich gerade jene eher um ihre Lippen als um ihre Handynummern. 

Nein, so idiotisch konnte man sich nicht anstellen wie ich es getan hatte. Zumindest machte ich eine SMS fertig, auch wenn ich sie nicht abschicken konnte. Aber wie anfangen? Schatzi? Nein, sie war kein Schatz, einen Schatz besitzt man und das tat ich nicht. Passender war Engel. Wunderschön und unerreichbar. Gedanke abgeschlossen, ein Bier bitte und die nächsten zwei auf Halte.

Ich wachte auf. Wie war ich in mein Bett gekommen? Zum Glück musste ich nicht fahren. Mein Kopf fühlte sich an, wie der Magen eines Italieners nach 5 Pizzen. Von was bin ich eigentlich wach geworden? Oha, das Handy. Sechs Anrufe in Abwesenheit. Naja wer auch immer, er ruft wieder an.

Gestern war ich in der Kneipe
Einfach einen trinken gehen
Einfach weg von zu Hause, 
die Plagen nicht mehr sehn
Ständig Stress mit der alten
Keine Kohle im Portemonnaie
Ich spül es einfach runter
Dann tut es nicht mehr weh
Denn ich bin Alkoholiker
Ich bin Alkoholiker


Quod erat demonstrantum, was zu beweisen war. Ich sag ja, der ruft wieder an, diesmal bin ich auch wach und kann ans Telefon gehen. 

Köhler.

Ja hier Jorge Nuno Pinto da Costa. Sie erinnern sich. Ich wollte Ihnen ein Angebot machen. A-Jugendtrainer ab dem Saisonende. Wie viel wollen Sie?

Er war eindeutig fitter als ich heute Morgen. 

Naja 2000 Euro und ich sag mal 10000 auf die Hand.

OK, ich hätte Ihnen mehr geboten, aber Sie wissen ja, man kann nicht immer gewinnen. 

Mann kann nicht immer gewinnen, aber so viele Niederlagen innerhalb so kurzer Zeit waren auch nicht so toll.

Na klasse, aber das Geld sollte trotzdem so passen. Wo muss ich unterschreiben?

Unten links, sobald ich ihre E-Mailadresse bekomme.

Klar bekommen Sie die, vor allem wenn Sie mich nicht mehr so zeitig wecken. 

Morgens macht man die besten Geschäfte.

Vor allem wenn der Verhandlungspartner noch schläft.

So ist es, ich wünsche Ihnen eine gute Nacht weiterhin.

Wie das Leben so spielt, Job und Liebe in 2 Tagen. Gut das beide Dinge noch so gut zusammenpassten. Aber bis Porto war es ja noch lange hin.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen